Skiweltmeisterin “Lizz” Görgl referierte in Dehrn über mentale Stärke/42 Mal aufs Weltcup-Podest mit absolutem Willen

Ski-Weltmeisterin “Lizz” Görgl verriet in Dehrn bei Michael von Kunhardt die Geheimnisse ihrer mentalen Stärke.Foto: Klöppel

Dehrn. Die frühere Abfahrts- und Super G-Weltmeisterin „Lizz“ Görgl hat in der Dehrner „Von Kunhardt Akademie“ einen Vortrag vor den Studenten gehalten. Die 40-Jährige aus der Steiermark weiß gut, was mentale Stärke bedeutet. Als Kind wurde der spätere Sportstar nach eigenen Aussagen an der Sportförderschule aus Neid gemobbt, weil sie aus einfacheren Verhältnissen stammte, doch die weitaus talentierte Skifahrerin als die Mitschüler war. Sie berichtete in Dehrn, wie hart der Weltcupzirkus sein kann. Da wurden nach ihren Aussagen von Teamkolleginnen auch schon mal für spätere Starterinnen falsche Pisteninfos durchgegeben. Elisabeth Görgl hat, wie sie verriet, im eigenen Nationalteam keine Freundinnen gehabt und ist zur Einzelgängerin geworden, auch weil sie bei der Liftfahrten schon die Strecke durchgehen und nicht von anderen in ihrem Fokus gestört werden wollte. Aus heutiger Sicht weiß sie aber: „Mein Ego ist mir aber irgendwann zu Kopf gestiegen und ich spürte, ich stehe mir manchmal selbst im Weg und muss mich ändern“. Görgl ist für ihr Talent, ihren Fleiß und absoluten Willen letztendlich mit sechs WM- und Olympiamedaillen sowie 42 Weltcup-Podestplätzen von Slalom bis Abfahrt belohnt und mit dem Titel „Österreichische Sportlerin des Jahres“ ausgezeichnet worden. Seit ihrem sportlichen Karriereende 2017 geht sie ihrer zweiten Leidenschaft, dem Gesang, nach. Der Sportstar war gerade erst im ORF in der aktuellen Staffel von „The Masked Singer“ im Kostüm der „Weintraube“ zu sehen. Soviel Einsatz wie zuvor für die Sportkarriere wolle sie aber für kein anderes Ziel mehr bringen, berichtete sie. Darum käme auch keine Tätigkeit für sie im Weltcup-Zirkus in Frage, wo sie wieder 200 Tage im Jahr unterwegs sein müsste. „Lizz“ Görgl erzählte, wie sie es trotz aller Rückschläge und Anfeindungen in die Weltspitze im Ski alpin geschafft hat. „Es war meine Liebe zum Skisport und meine Leidenschaft, die mich immer wieder motiviert hat“, sagte die Referentin. Mit drei Jahren hab sie das erste Mal auf Skiern gestanden, mit zehn Jahren sei sie bereits Skirennläuferin geworden. Bis sie mit 30 Jahren endlich in Garmisch-Partenkirchen das erste Mal WM-Gold gewinnen konnte, war es für Görgl eine lange Reise. „Ich wurde immer wieder durch Verletzungen zurückgeworfen, hatte drei Mal einen Kreuzbandriss“, verriet sie. Doch Görgl fokussierte sich dann wieder aufs Wesentliche und schaffte dann mit 26 endlich den ersten Weltcupsieg. Die Basis ihres Erfolges sei ihre Technik gewesen, berichtete Görgl. Hinzu sei viel Wille gekommen. „Wenn ich das Gefühl habe, am richtigen Platz zu sein, dann ist es selbstverständlich, motiviert zu sein“, betonte sie. Um im Leben erfolgreich zu sein, müsse man sein Potenzial erkennen. Wenn dann noch extreme Motivation dazukomme, dann komme der Erfolg irgendwann automatisch. Görgl erzählte, sie sei immer gut darin gewesen, sich selbst zu analysieren – und sie habe auch genau gewusst, dass professioneller Lebensstil zum Profisport gehöre. Andererseits sei sie aber auch einen Tag vor ihrem WM-Start spontan ins Schwimmbad gefahren, weil das in diesem Moment ihrer Seele einfach gutgetan habe. In einer Weltcupmannschaft sei, wie Görgl weiß, wichtig, ein gutes Team um sich zu haben, wo jeder seine genaue Aufgabe habe. Sie habe einen Trainer gehabt, der sie bewusst in die Überforderung getrieben habe. Doch sie habe dadurch gelernt, sich auf extrem eisigen Boden optimal bewegen zu können und sei dann ein Jahr später genau dadurch Doppel-Weltmeisterin geworden. Sie sagte, Erfolg habe auch mit Zuversichtlichkeit zu tun. Sie habe am Start das Gefühl gehabt, wenn sie ihr Bestes bringe, werde sie das Rennen auch gewinnen. „Du stehst am Start und es liegt alleine an dir, was du bis zum Ziel daraus machst“, sagte Görgl. Als Kind habe sie schon zu ihrer Mama gesagt: „Ich will Olympiasiegerin werden“. Doch als es fast soweit gewesen wäre, wurde der Olympiaslalom aufgrund schlechten Wetters abgebrochen, in dem sie in führung lag. Ihr Fazit nach vielen schönen Siegen und bitteren Niederlagen: „Man liebt den Spitzensport und man hasst ihn. Es ist ein immer anstrengendes Leben und irgendwann reicht es dann eben“. Ihre Konzentrationsfähigkeit aus dem Sport helfe ihr aber heute noch beruflich, beispielsweise als sie bei „Dancing Stars“ gewonnen habe. „Lizz“ Görgl berichtete, dass es für einen Spitzensportler mit immer stark strukturiertem Leben gar nicht so einfach sei, nach der Aktivenzeit ein neues Leben zu starten. „Mir war klar, dass mein Leben lockerer und freier als bisher werden soll“. Die Musikwelt sei cool. Sie wolle weiterhin als Sängerin unterwegs sein, mit ihren Texten Geschichten mitten aus dem eigenen Leben erzählen.rk

 

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