
Mark Hinrichs und der deutsche Vierer nutzen den Weltcup in Luzern als wichtigen Schritt auf dem Weg zur EM
Über die Bedeutung der internationalen Regatten auf dem Rotsee zu sprechen, hieße Eulen nach Athen zu tragen. Der „Göttersee“, malerisch gelegen zwischen den Gemeinden Luzern und Ebikon, nimmt eine Ausnahmestellung ein. Das wurde durch die ausgezeichnete Resonanz der internationalen Verbände auch in diesem Jahr eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Der Wettergott meinte es gut mit den Wassersportlern – fast schon ein wenig zu gut. Temperaturen jenseits der 30-Grad- Marke verlangten den Athleten alles ab.
Mit Mark Hinrichs vom Limburger Club für Wassersport (LCW) waren auch die heimischen Farben vertreten. Gemeinsam mit René Schmela, Benedict Eggeling und Jasper Angl ging eine junge Crew des Deutschen Ruderverbandes (DRV) im Vierer ohne Steuermann an den Start in einem hochkarätigen 19-Boote-Feld.
Im zweiten von insgesamt vier Vorläufen wurde es für die deutsche Crew erstmals an diesem Wochenende ernst. Mit den bekanntermaßen schnellen Niederländern und Dänen waren zwei Hauptkonkurrenten ausgemacht, die Mannschaften aus Spanien und Indien wurden jedoch keinesfalls unterschätzt. Mit Bravour löste die Mannschaft des DRV ihre Aufgabe in diesem Vorrennen. Von Beginn an lagen sie auf Rang 2 hinter der holländischen Crew und konnten die hoch eingeschätzten Dänen sicher auf Distanz halten. Spanien und Indien folgten auf den Rängen vier und fünf. In dieser Reihenfolge ging es dann auch über die Ziellinie. Die direkte Qualifikation für das Semifinale am darauffolgenden Tag wurde somit problemlos erreicht.
Im Semifinale am Samstag bekam es der Vierer um Mark Hinrichs dann mit den amtierenden Weltmeistern aus Großbritannien, den Niederländern, den Dänen, sowie Booten aus den USA und Australien zu tun.
Die Briten unterstrichen eindrucksvoll ihre Favoritenrolle und gelten derzeit als das Maß der Dinge in dieser Bootsklasse. Auch die Niederländer gingen das Rennen beherzt an und schafften es zunächst, sich ein wenig von den USA, Deutschland und Australien abzusetzen. Nach der Streckenhälfte (1000m) forcierten die US-Amerikaner das Tempo und attackierten die vor ihnen rudernden Holländer mit Erfolg. Knapp hinter NED die Crews aus Deutschland und Australien vor Dänemark.
Dem hohen Tempo musste der DRV-Vierer auf dem letzten Streckenviertel Tribut zollen und musste die mächtig spurtenden Australier vorbeiziehen lassen. Einlauf:
GBR, USA, NED, AUS, GER, DEN. Der fünfte Rang bedeutete somit den Gang ins B-Finale.
Im „kleinen Finale“ traten neben Deutschland die beiden australischen Mannschaften, Polen, Urugay und erneut Dänemark gegeneinander an. Gemeinsam mit Bundestrainerin Sabine Tschäge hatte sich die deutsche Crew akribisch auf dieses Rennen vorbereitet. Und es wurde ein typisches Vierer-Rennen. Bug an Bug ging es auf die ersten 500m, bevor sich die beiden australischen Boote mit den erfahrenen Dänen einen leichten Vorsprung herausfahren konnten. Deutschland und Polen gleichauf, die Mannschaft aus Uruguay musste bereits hier etwas abreißen lassen und geriet auf der zweiten Streckenhälfte mit gut zwei Bootslängen ins Hintertreffen.
Ein „Rennen auf Messers Schneide“ entwickelte sich zwischen AUS 1, 2 und DEN, knapp dahinter Polen und der DRV. Diese fünf Boote erreichten das Ziel innerhalb einer Bootslänge (AUS 2, DEN, AUS 1, POL, GER).
„Natürlich haben wir uns mehr vorgenommen und sind mit Platz 11 im Gesamtranking nicht zufrieden. Gerade im letzten Rennen haben wir gemerkt, dass wir noch nicht alles wie gewünscht in unserem Rennen umsetzen konnten. Offensichtlich fehlen uns im Vergleich zu unserer Konkurrenz noch gemeinsame Trainingskilometer. Diese Lücke wollen wir schließen und das wird unsere Aufgabe für die kommenden Wochen, insbesondere in unserem Trainingslager in Ratzeburg sein“, so das Kurzresümee von Mark Hinrichs.
Der World Cup in Luzern hat unterstrichen, wie eng die Leistungsdichte in der internationalen Spitze ist. Entsprechend wertvoll sind die Erkenntnisse, die Hinrichs und seine Mannschaft aus der Schweiz mitnehmen. Nun richtet sich der Blick auf das Trainingslager in Ratzeburg, bevor Ende Juli/Anfang August in Varese die Europameisterschaften anstehen. Dort soll der nächste Entwicklungsschritt sichtbar werden.
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von Dietmar Langusch
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