Olympiaheld Paul Lissek zu Gast in der Akademie von Michael von Kunhardt/““Wir wollten immer gewinnen und haben das auch ausgestrahlt“

Olympia-Goldschmied Paul Lissek (links) sprach an der Akademie seines früheren Limburger Bundesligastürmers Michael von Kunhardt vor Studenten über die Geheimnisse des Erfolges.

Lmburg/Runkel. Mit Paul Lissek war ein ganz besonderer Gast als Referent für die Studenten in der Akademie des Diezers Michael von Kunhardt in Runkel-Dehrn zu Besuch. Der Trainer der deutschen Hockey-Olympiasiegermannschaft von Barcelona 1992 ist mittlerweile 78 Jahre alt, aber noch immer voller Leidenschaft für seinen Sport. Zweimal im Jahr ist „Pauli“ noch als Trainerausbilder in Malaysia tätig, und auch bei seinem Stammverein, dem Limburger Hockey-Club, leitet er immer mal wieder Jugend-Trainingseinheiten.

„Zu meinen Zeiten war Mentaltraining noch kein Thema. Später habe ich aber gemerkt, dass ich als Trainer intuitiv viele Elemente des heutigen Mentaltrainings eingesetzt habe“, erklärte Lissek.

Besonders eindrucksvoll erinnerte er sich an das Finale der Deutschen Hallenmeisterschaft 1985 in Augsburg. Seine junge und unerfahrene Limburger Mannschaft lag gegen die Startruppe von Uhlenhorst Mülheim zur Halbzeit bereits mit 2:8 zurück. In der Kabine fand Lissek die richtigen Worte: „Es ist keine Schande, Vizemeister zu werden. Aber es geht auch um die Ehre, und wir lassen uns hier nicht abschießen.“

Die Ansprache wirkte. In der zweiten Halbzeit warf die Mannschaft alles für ihren Trainer in die Waagschale, gewann sensationell mit 10:9 und holte erstmals in der Geschichte des Limburger Hockey-Clubs die Deutsche Hallenmeisterschaft.

Schon als Spieler war Lissek äußerst erfolgreich. Der 49-fache Nationalspieler wurde Europapokalsieger und mehrfach Deutscher Meister mit dem Limburger HC, dem SC 1880 Frankfurt und Rot-Weiß Köln. Dass er schließlich Spielertrainer des LHC wurde, lag vor allem an seinem enormen Ehrgeiz. „Wenn wir verloren hatten, wollte ich immer wissen, warum“, erzählte er. Stundenlang analysierte er zuhause Videoaufnahmen. Seine Spieler seien, wie er heute schmunzelnd zugibt, oft von den langen Teamsitzungen genervt gewesen. Wenn jemand widersprach, sagte Lissek: „Ich kann dir auf jedem Video jeden deiner Fehler zeigen.“

Von seinem Fachwissen war er überzeugt. Schon damals dachte er sich: „Vielleicht kann ich auch einmal wie Klaus Kleiter Bundestrainer werden.“Dafür empfahl er sich dann mit drei WM- und drei EM-Titeln als Trainer der deutschen Junioren.

In Limburg formte Lissek nach dem Weggang der alten Bundesligamannschaft mit vielen jungen Spielern ein neues Team. Dieses gewann zweimal die Deutsche Meisterschaft und den Hallen-Europapokal. Zu dieser Mannschaft gehörten auch die späteren Olympiasieger Michael Knauth und Stefan Saliger.

Um jeden Spieler kämpfte Lissek mit großem Engagement. Als Lehrer an der Fürst-Johann-Ludwig-Schule in Hadamar unterrichtete er viele Kinder aus den umliegenden Dörfern. Teilweise holte er sie sogar persönlich mit dem Auto zum Training ab und überzeugte sie davon, dass sie im Hockey deutlich mehr erreichen könnten als im örtlichen Fußballverein.

Der Olympiasieg Deutschlands 1972 spielte ihm dabei in die Karten. Rund 100 Kinder wollten in Lisseks Hockey-AG, doch er nahm nur die talentiertesten auf. Zu ihnen gehörten die späteren Nationalspieler Eckhard Schmidt-Opper, Andreas Mollandin und Volker Knapp. „Über das Schulhockey bekamen sie die Basis. Viele Limburger Eltern jammerten damals: Wenn die Dorfkinder alle hier spielen, wo bleibt dann noch Platz für unsere Kinder?“, erinnerte sich Lissek.

Für den früheren Bundestrainer steht fest, dass ein solcher Weg auch heute noch in Limburg umsetzbar wäre. „Natürlich ist das machbar. Es gibt immer Talente“, betonte er.

Talent, eine gute Ausbildung, Fleiß, Teamgeist und Selbstbewusstsein sind für Lissek die entscheidenden Zutaten eines erfolgreichen Teams. Noch heute schwärmt er von seiner Olympiamannschaft. Jeder Spieler sei eine Persönlichkeit gewesen und auf seiner Position einer der Besten der Welt gewesen.

„Wir wollten immer gewinnen und haben das auch ausgestrahlt“, sagte Paul Lissek. Einen solchen unbedingten Willen würde er sich auch bei vielen Jugendlichen von heute wieder wünschen. Paul Lisseks Botschaft: „Viele könnten im Leben Großes erreichen. Sie müssen es aber auch wollen und alles dafür tun“. So wie der kleine „Pauli“, der sich als Kind immer durchs Gebüsch auf die Anlage schlich, um von den damalgen Größen des Limburger Hockey-Sportes zu lernen.

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