
Bronze als Ausrufezeichen – Mark Hinrichs in Varese auf dem Podium
Rekordausbeute für den Deutschen Ruderverband bei den Europameisterschaften
Der Lago di Varese – idyllisch gelegen und eine der weltweit renommiertesten Regattabahnen. Am vergangenen Wochenende gab sich Europas Ruderelite ein Stelldichein in der norditalienischen Stadt und kämpfte um Titel und Medaillen. Größtenteils herrschten sehr gute Bedingungen (Sonnenschein und Schiebewind), lediglich am Sonntagvormittag gab es wegen eines aufziehenden Gewitters eine einstündige Unterbrechung. Nicht nur die hohen Temperaturen (über 35°C) verlangten den Sportlerinnen und Sportlern physisch einiges ab, auch die knallharte Konkurrenz in den einzelnen Rennen sorgte dafür, dass alle Athletinnen und Athleten rasch auf Betriebstemperaturen kamen.
Den Aktiven des Deutschen Ruderverbandes (DRV) gelang dies an den Regattatagen ausgesprochen gut. Alleine am ersten Finaltag (Samstag) gab es sechs Mal Anlass zum Jubel, am Sonntag kamen 6 weitere Medaillen hinzu.
Mit diesem Gesamtergebnis (5 Gold, 6 Silber, 1 Bronze) belegte Deutschland Rang 2 im Medaillenspiegel hinter Rumänien (6 Gold, 8 Medaillen insgesamt). Noch nie hatte der DRV bislang auf einer Europameisterschaft so viele Medaillen gesammelt.
Ein bemerkenswertes Ergebnis und ein deutlicher Fingerzeig für die in wenigen Wochen anstehenden Weltmeisterschaften. Amsterdam darf kommen!
Auf der traditionsreichen Bosbaan finden vom 26.08. bis 30.08.2026 die Ruderweltmeisterschaften statt. Hier wird sich dann zeigen, wie sich die Mannschaften des DRV im Vergleich zur weltweiten Konkurrenz einsortieren. Seit diesem Wochenende darf man wesentlich entspannter auf dieses Event blicken.

Das gilt auch für den Vierer ohne Steuermann des Deutschen Ruderverbandes. Jasper Angl im Bug, Mark Hinrichs vom Limburger Club für Wassersport, Benedict Eggeling und Schlagmann René Schmela reisten gut vorbereitet aus dem Trainingslager in Ratzeburg in die Lombardei.
In ihrem Rennen stellten sich letztendlich neun Boote dem Starter. „Attention!“ – rote Ampel. Pause. Grüne Ampel – und die Jagd beginnt.
Zunächst galt es einen der beiden ersten Plätze in den Vorläufen zu belegen, um sich direkt für das A-Finale zu qualifizieren. Die beiden verbleibenden Plätze gehen an die beiden weiteren zeitschnellsten Boote.
Das DRV-Quartett ließ von Anfang an keine Zweifel aufkommen. Die Top-Favoriten aus Rumänien hatten Mühe, sich vom deutschen Vierer zu lösen und das führte zu einem Duell, bei dem die Verfolger aus Italien, Tschechien und Polen das Nachsehen hatten.
Nicht nur das erklärte Ziel, der Einzug ins A-Finale, war damit erreicht – auch die Zeit ließ aufhorchen: die drittschnellste des Feldes.
Würde es Mark Hinrichs und Co. gelingen, ein weiteres „Traumrennen“ zu fahren? Gleich nach dem Start sah es danach aus. Gemeinsam mit Großbritannien und Rumänien setzte sich der DRV an die Spitze des Feldes, gefolgt von Litauen, Italien und der Ukraine. An der Spitze blieb das Bild nahezu unverändert: Großbritannien gelang auch mit seiner Nachwuchscrew ein tolles Rennen. Eine Länge trennte die Briten im Ziel vom Zweitplatzierten aus Rumänien. Dahinter entspann sich ein packendes Duell um Bronze zwischen Deutschland und Litauen. Wenige Zehntelsekunden trennten beide Boote bis etwa 300 Meter vor dem Ziel. Dann waren es die Deutschen, die den besseren Spurt fuhren und sich schlussendlich mit einer halben Bootslänge Vorsprung Bronze sicherten. Platz vier für Litauen, dahinter die Ukraine und Italien.
So richtig realisiert haben dürften Angl/Hinrichs/Eggeling und Schmela ihre Leistung erst, als sie ihre Bronzemedaille in Empfang nahmen.
„Ja, heute haben wir fast alles richtig gemacht und wir konnten unsere Ziele auch im Finale konsequent umsetzen.“, so die Kurzanalyse von Hinrichs. „Jetzt geht es kurz nach Dortmund und dann sofort weiter zum nächsten Trainingslager in Ratzeburg.“ Viel Zeit zum Erholen bleibt also nicht. Die Reise geht weiter.
Landschaftliche Idylle, Bilderbuchwetter und ein traumhaftes Ergebnis: Was will man mehr? Der Zug hat Fahrt aufgenommen. Nächster Halt: Amsterdam!
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von Dietmar Langusch