Ehrenamt – Da muss man mal hinschauen

Traditionell am ersten Septemberwochenende fand die Limburger Ruderregatta statt.
Natürlich stehen da zunächst die Boote, spannende Rennen und sportliche Erfolge im Mittelpunkt. Dazu kommen die Regattastrecke, das geschäftige Treiben am Ufer und die besondere Atmosphäre der Wettkampftage.

Doch wer genauer hinschaut, entdeckt hinter dem sportlichen Geschehen eine weitere, ganz besondere Leistung: Ehrenamt – mit viel Herz, Zeit und Hingabe.

Kinder liegen in den Startnachen und helfen, dass die Rennen funktionieren. Jugendliche und Erwachsene packen tatkräftig mit an. Eltern und Großeltern backen Kuchen, schnippeln Salat. Andere stehen hinter der Theke, organisieren das Catering oder kümmern sich darum, dass niemand hungrig oder durstig bleibt.

Schon Tage vorher wird geplant, eingekauft und vorbereitet. Es werden Zelte, Tische und Bänke aufgebaut, Gerätschaften transportiert, Kabel verlegt und unzählige Handgriffe erledigt – mit privatem Auto, privatem Werkzeug und vor allem mit viel persönlichem Einsatz.
Andere kümmern sich um all die organisatorischen Dinge und vieles davon bleibt unsichtbar und wird erst bemerkt, wenn etwas nicht funktioniert. Umso wertvoller sind die Menschen, die im Hintergrund dafür sorgen, das alles seinen Weg geht.

Und wenn der letzte Zieleinlauf vorbei ist?
Dann ist für die Ehrenamtlichen noch lange nicht Schluss.
Abbauen, aufräumen, sauber machen, zurückbringen – und am Ende sieht es fast so aus, als wäre nichts gewesen.

Genau da muss man mal hinschauen.
Denn eine Veranstaltung dieser Größenordnung entsteht nicht einfach, weil irgendwo ein Verein einen Termin im Kalender markiert. Sie wird möglich, weil Menschen ihre Zeit schenken, Verantwortung übernehmen und füreinander einstehen.

Weil Kinder, Jugendliche, Eltern, Großeltern, ganze Familien, Aktive und Ehemalige gemeinsam anpacken. Weil einer etwas organisiert, der nächste einen Anhänger mitbringt, jemand anderes Kuchen backt und wieder jemand anderes bis zum Schluss die Ärmel hochkrempelt.
Jeder Beitrag zählt. Jeder Handgriff hilft. Und aus vielen kleinen und großen Einsätzen entsteht am Ende etwas, das weit über zwei Wettkampftage hinausgeht. Zusammen wird daraus etwas Großes.

Und vielleicht ist genau das die Geschichte, die neben den sportlichen Erfolgen ebenfalls erzählt werden sollte. Denn hinter jeder Medaille, jedem Rennen und jedem gelungenen Wettkampftag stehen Menschen, die ihre Zeit, ihre Kraft und ihre Erfahrung einbringen – oft selbstverständlich, ohne großes Aufsehen und ohne dafür etwas zu erwarten. Dafür gebührt ihnen unser aufrichtiger Dank.

Wir hören oft genug davon, dass sich niemand mehr engagiert, Gemeinschaft verloren geht und früher alles besser gewesen sei. Mag sein.
Doch ein Blick auf die Regattastrecke in Limburg kann zu einer anderen Erkenntnis führen.
Dort stehen Menschen, die zeigen, dass es noch funktioniert.

Nicht perfekt. Nicht ohne Arbeit. Aber gemeinsam. Und darauf kann ein Verein stolz sein.

Nicht nur auf die Medaillen. Sondern auf die Menschen, die mit ihrem Einsatz dafür sorgen, dass überhaupt jemand ins Boot steigen und eine solche Veranstaltung stattfinden kann.

Das ist Ehrenamt.

Und vielleicht sollten wir öfter hinschauen, Danke sagen und würdigen, was durch gemeinsames Engagement möglich wird, bevor wir behaupten, unsere Gesellschaft könne keine Gemeinschaft mehr.

Von Manuela Haberstock

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