Heribert Stamms Traum geht in Erfüllung

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Unter den Augen von mehr als 40 Zuschauern schaffte der mittlerweile 80 Jahre alte Steinbacher Heribert Stamm das Sportabzeichen in Gold und damit seine insgesamt 50. Auszeichnung. Die Ehrung nahm der Landtagsabgeordnete Christian Wendel zusammen mit der stellvertretenden Sportkreisvorsitzenden und Sportabzeichenbeauftragten Nicole Schneider vor. Der Präsident des DOSB Thomas Weikert musste kurzfristig sein Kommen wegen eines plötzlich anberaumten anderen wichtigen Termins absagen, übermittelte aber seine besten Wünsche.

Der Vollblutsportler Stamm, der mehr als 600 Spiele für den Fußballverein Obertiefenbach absolvierte und seit dem 19. Lebensjahr jedes Jahr regelmäßig die Bedingungen des Sportabzeichens locker schaffte, erlitt in 2012 einen Schlaganfall, der bei ihm erhebliche gesundheitliche Schäden hinterließ. Seitdem ist er halbseitig gelähmt, benötigt eine Gehhilfe und den Rollstuhl und auch die Sprache ist beeinträchtigt.

Silke und Heribert Stamm mit Christian Wendel und Nicole Schneider

Sein großer Traum, das 50. Sportabzeichen zu schaffen, war zunächst jäh geplatzt.

Es dauerte lange bis er sich gesundheitlich etwas festigte und neue Pläne schmieden konnte.

Durch einen Freund und die Sportabzeichenbeauftragte Nicole Schneider wurde ihm in 2023 ermöglicht, das Sportabzeichen für Behinderte abzulegen. Er wurde in die Behinderungsklasse „H“ für Schäden des zentralen und/oder peripheren Nervensystems eingestuft. Die dort zu erfüllenden Bedingungen erschienen zunächst für den rechtsseitig Gelähmten als zu große Hürde, zumal er bis dahin den Rollstuhl nicht selbst betätigen konnte. Und zu den zu erfüllenden Voraussetzungen gehörten in der Kategorie Schnelligkeit 50 m Rollstuhlfahren in höchstens 42 Sekunden und Dauerrollstuhlfahren von mindestens 14 Minuten. Wie sollte das gelingen, wenn das rechte Bein und der rechte Arm nicht benutzt werden können.

Jedoch die Vorstellung jetzt doch noch seinen Traum vom 50. Sportabzeichen zu verwirklichen und sein nach wie vor vorhandener sportlicher Ehrgeiz setzte in ihm erhebliche Kräfte frei. Ständiges Training mit Ehefrau Brunhilde und Tochter Silke ermöglichten es ihm, mit einer bestimmten Technik den Rollstuhl selbständig zu bewegen und auch schon auf Schnelligkeit zu bringen. Im Herbst 2023 schaffte er es, wenn auch mit Mühe, das Sportabzeichen in Silber zu erringen was in seiner Sammlung das 48. bedeutete.

Es folgte in 2024 Nummer 49, wobei er da schon die Bedingungen voll erfüllte und in allen 4 Kategorien die Auszeichnung Gold erhielt.

Heribert Stamm mit seinen Ex-Kollegen vom Finanzamt

Der ehemalige Finanzbeamte und Betriebsprüfer verfeinerte weiterhin seine Technik in allen Bereichen und präsentierte sich nun auf dem Sportgelände des TV Elz, wo Ursel und Rudi Farda die erforderlichen Vorkehrungen getroffen hatten, in bester Form.

In der Kategorie Schnelligkeit schaffte er die 50 m in hervorragenden 27,8 Sekunden, wobei auch noch 32,7 Sekunden für Gold ausgereicht hätten. Hier fuhr der Sportler rückwärts was ihm mit seiner Behinderung am besten lag.

In der Kategorie Kraft übertraf er mit einer Weite von 6,00 m die für Gold erforderlich Weite von 5,30 m deutlich und auch in der Abteilung Koordination mit dem Zielwurf lag er mit erreichten 24 Punkten deutlich über dem „Gold-Soll“ von 20 Punkten.

Das abschließende Dauerrollstuhlfahren von mehr als 28 Minuten, bei dem ihm die Familie, Sportler des TV Elz und überraschend viele ehemalige Betriebsprüferkollegen begleiteten, geriet zur wahren Triumphfahrt.

Stamm beim Zielwurf

Alle Anwesenden applaudierten heftig und verabschiedeten einen glücklichen Menschen.

Passend zum 50. Jubiläum trug Martin Frömel einen 50zeiligen Reim vor, der die außerordentliche Willensleistung Stamms, trotz der schweren Erkrankung die sportlichen Leistungen zu erbringen, entsprechend würdigte.

  • von Wolfgang Tannert

 

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