Wenn sich der Kader fast von alleine aufstellt: TSG vor doppeltem Auswärtssonntag

Spielszene vom Hinspiel – Foto Franz-Josef Blatt

Am Sonntag, dem 4. Oktober, gehen beide Seniorenmannschaften der TSG Oberbrechen auf Reisen. Die erste Mannschaft gastiert um 15:15 Uhr beim SV Mengerskirchen, zeitgleich ist die Heimbel beim SV Anadolu Limburg gefordert.

Die vergangenen Wochen haben dabei durchaus Spuren hinterlassen. Verletzungen, eine hartnäckige Krankheitswelle und einige Urlaube sorgen aktuell dafür, dass die Trainerteams beim Blick auf den Kaderzettel nicht gerade vor Luxusproblemen stehen. Auch im Training war zuletzt eher Improvisation als Vollbesetzung angesagt.

Hilft aber alles nichts. Am Sonntag wird trotzdem Fußball gespielt.

Und wie es auf den Sportplätzen der Region seit Jahrzehnten heißt: Elf Mann bekommt man immer irgendwie zusammen. Entscheidend ist dann, was diese elf daraus machen.

SV Mengerskirchen gegen TSG Oberbrechen

Wer beim Blick auf die Tabelle glaubt, dass es in Mengerskirchen jetzt etwas gemütlicher wird als zuletzt gegen Selters/Erbach oder Villmar/Arfurt/Aumenau, sollte den SVM besser nicht nur anhand seiner bisherigen Punkte beurteilen.

Fußballerisch steckt in dieser Mannschaft enorm viel Qualität. Der SV bekommt seine PS bislang nur nicht jede Woche sauber auf die Straße. Mal läuft der Motor wie ein Uhrwerk, mal leuchtet irgendwo die Motorkontrolllampe.

Das zeigen auch die jüngsten Ergebnisse. Auf ein deutliches 2:7 gegen die Union Dauborn/Kirberg/Neesbach/Ohren folgte prompt ein 4:2 bei der FSG Wirbelau/Schupbach/Heckholzhausen. Maurizio dos Santos Silva erzielte dabei kurzerhand alle vier Mengerskirchener Treffer.

Wenn Mengerskirchen einen guten Tag erwischt, kann es also relativ schnell ungemütlich werden.

Auch aus der vergangenen Saison weiß die TSG, was sie erwartet. Beim letzten Aufeinandertreffen in Oberbrechen gewann der SVM mit 2:1. Die TSG hatte Chancen genug, Mengerskirchen machte die Tore. Eine dieser alten Fußballgeschichten, bei denen man hinterher hört: „Eigentlich waren wir gar nicht schlechter.“ Bringt nur leider ebenfalls keine Punkte.

Für Oberbrechen geht es nach zwei Ligapartien ohne Zählbares darum, wieder an die ersten sieben Spieltage anzuknüpfen. Sieben Siege am Stück verschwinden schließlich nicht plötzlich, nur weil zwei Sonntage nicht nach Plan gelaufen sind.

Die aktuelle Personalsituation macht die Sache sicherlich nicht leichter. Wer am Sonntag wirklich spielen kann und wer nach überstandener Krankheit schon wieder 90 Minuten im Tank hat, dürfte sich teilweise erst kurzfristig entscheiden.

Aber auch das gehört zum Amateurfußball. Unter der Woche heißt es noch „mal schauen“, samstags „könnte gehen“ und sonntags steht derjenige plötzlich doch mit Tape am Oberschenkel in der Startelf.

Entscheidend ist das Vertrauen in diejenigen, die auf dem Platz stehen.

Die TSG hat in den ersten Wochen gezeigt, welche Qualität sie besitzt. Genau daran gilt es anzuknüpfen: mutig auftreten, früh Zugriff bekommen und Mengerskirchen möglichst wenig Raum geben, seine fußballerische Klasse zu entfalten.

Die vergangenen beiden Wochen dürfen dabei gerne im Rückspiegel bleiben. Nicht vergessen, aber auch nicht ständig darin herumstochern.

Mengerskirchen kann an einem guten Tag nahezu jedem Team dieser Liga wehtun. Die TSG ebenfalls.

Anstoß: Sonntag, 04.10.2026, 15:15 Uhr in Mengerskirchen

SV Anadolu Limburg gegen TSG Oberbrechen II

Bei der Heimbel ist die Lage aktuell ein Stück komplizierter.

Die Ausfälle der ersten Mannschaft hören schließlich nicht an der Kabinentür der Zweiten auf. Spieler werden oben gebraucht, gleichzeitig fehlen bei der Heimbel selbst Akteure durch Krankheit, Verletzungen und Urlaub. Die Trainingsbeteiligung der vergangenen Wochen war entsprechend dünn.

Und ja, nach mehreren Niederlagen kann auch die Laune mal leiden.

Das ist menschlich. Wer Woche für Woche auf die Mütze bekommt, springt montags nicht automatisch pfeifend aus dem Bett und freut sich auf vier gegen zwei im Training.

Trotzdem darf genau das jetzt nicht zum Dauerzustand werden.

Nach zwei Aufstiegen in Folge war klar, dass die A Liga kein gemütlicher Spaziergang wird. Die Gegner sind stärker, kleine Fehler werden konsequenter bestraft und manche Spiele tun eben auch mal weh.

Aber genau deshalb spielt man jetzt eine Liga höher.

Beim 1:4 gegen Wilsenroth führte die Heimbel zuletzt zunächst mit 1:0 und hatte anschließend eine richtig gute Phase. Danach kippten individuelle Fehler und ein Platzverweis die Partie. Beim Stand von 1:3 bot sich per Elfmeter sogar noch einmal die Chance auf den Anschluss, doch der Ball krachte an die Unterkante der Latte.

Aktuell sind es eben häufig diese Kleinigkeiten, bei denen man hinterher in der Kabine sitzt und sich fragt, warum das Ding nicht einfach fünf Zentimeter tiefer fliegen konnte.

Am Sonntag wartet mit Anadolu Limburg erneut ein Gegner, der einen ordentlichen Saisonstart hingelegt hat. Die Limburger stehen im gesicherten Mittelfeld und haben beim 6:2 gegen Staffel bereits gezeigt, dass vorne durchaus Feuer drin ist. Zuletzt verlor Anadolu allerdings mit 1:2 in Eisenbach.

Die Aufgabe wird also schwer genug.

Für die Heimbel sollte es trotzdem weniger darum gehen, ständig auf die Tabelle zu schauen. Sechs Punkte nach elf Spielen sind sicherlich nicht das, was man sich gewünscht hat. Das rettende Ufer ist aber weiterhin erreichbar.

Und mal ehrlich: Anfang Oktober ist noch niemand abgestiegen.

Das Ziel Klassenerhalt bleibt unverändert. Dafür muss die Mannschaft weiter Punkte sammeln, Niederlagen wegstecken und vor allem wieder mehr Freude am eigenen Fußball entwickeln.

Denn das ist am Ende immer noch der wichtigste Punkt. Wer sonntags schon mit gesenktem Kopf auf den Platz läuft, kann sich die ersten zehn Minuten auch sparen.

Also lieber wieder Zweikämpfe feiern, gegenseitig anschieben und auch mal einen Ball auf die Tribüne dreschen, wenn es gerade keine bessere Lösung gibt. Es muss nicht jeder Angriff aussehen wie Champions League. Manchmal ist A Liga eben auch A Liga.

Und wenn am Ende ein dreckiger Punkt mit nach Oberbrechen fährt, wird sich montags vermutlich niemand über die B Note beschweren.

Anstoß: Sonntag, 04.10.2026, 15:15 Uhr beim SV Anadolu Limburg

Für beide Mannschaften ist die aktuelle Situation eine Herausforderung. Aber genau darin liegt auch die Chance.

Die Erste möchte nach zwei Niederlagen wieder an ihren starken Saisonstart anknüpfen. Die Heimbel will weiter Punkte für den Klassenerhalt sammeln und vor allem wieder dieses Gefühl entwickeln, warum man sich sonntags überhaupt die Schuhe schnürt.

Der Kaderzettel mag sich derzeit fast von alleine schreiben.

Für die Punkte gilt das leider nicht.

Die müssen immer noch selbst geholt werden.

  • von Sascha Lanzel

 

.

Teile diesen Beitrag

Kommentar schreiben