Alexander Leipold: „Wer nicht kämpft, hat schon verloren“

Der frühere Ringerweltmeister Alexander leipold (links) war als Referent bei Michael von Kunhardt zu Gast.

Alexander Leipold: „Wer nicht kämpft, hat schon verloren“

Ehemaliger Weltklasse-Ringer begeisterte als Referent in der Von-Kunhardt-Akademie in Dehrn – Vom sportlichen Erfolg über schwere Schicksalsschläge bis zum Kampf zurück ins Leben

Runkel-Dehrn. Mit Alexander Leipold war einer der erfolgreichsten deutschen Ringer aller Zeiten als Referent in der Von-Kunhardt-Akademie in Dehrn zu Gast. Der aus Unterfranken stammende ehemalige Spitzensportler und Bundestrainer kann auf eine beeindruckende Karriere zurückblicken: Zweimal wurde er Weltmeister, viermal Europameister und 21-mal Deutscher Meister. Viele kennen „Alex“ Leipold auch durch seine Teilnahme an der RTL-Tanzshow „Let’s Dance“.

Bei seinen dritten Olympischen Spielen 2000 in Sydney erfüllte sich für den damals 31-Jährigen ein großer Lebenstraum. Im Finale des Freistilringens im Mittelgewicht besiegte er den US-Amerikaner Brandon Slay.

Doch Leipolds Lebensgeschichte handelt nicht nur von sportlichen Erfolgen, sondern auch von schweren Schicksalsschlägen und einem beeindruckenden Kampf zurück ins Leben. Nachdem er aus heiterem Himmel drei Schlaganfälle erlitten hatte und zeitweise halbseitig gelähmt war, kämpfte er sich mit enormem Willen und Disziplin zurück. Mit einem weiteren Weltmeistertitel bei den Senioren fand er später einen besonderen Abschluss seiner sportlichen Laufbahn. Aktuell ist Leipold Trainer des Bundesligisten KSC Germania Hösbach.

„Man kann viel von den Erfahrungen eines Sportlers lernen, der der Beste seiner Disziplin auf der Welt war“, betonte Gastgeber Michael von Kunhardt bei der Begrüßung.

Leipolds Lebensmotto lautet: „Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“ Wer sich niemals einer Herausforderung stelle, könne auch nichts gewinnen. Selbst wenn es einmal einen Tag gebe, an dem der Gegner besser sei, müsse man es zumindest versuchen. Sein Rat an die Studenten: sich realistische Ziele setzen, alles dafür geben und vor allem niemals aufgeben. Das gelte für das Geschäftsleben ebenso wie für den Sport.

Dabei verschwieg Leipold nicht, dass auch bei ihm längst nicht immer Motivation vorhanden war. Wenn er von der Arbeit nach Hause gekommen sei, habe er nicht unbedingt immer Lust gehabt, noch zum Training zu gehen. Trotzdem habe er seine Einheiten konsequent absolviert, weil ihm bewusst gewesen sei, dass er ohne Disziplin und Einsatz niemals zur Weltspitze gelangen würde.

Seine sportlichen Wurzeln liegen in der Region Aschaffenburg. Dort sei es nichts Außergewöhnliches, Ringer zu werden, weil es in nahezu jedem Ort einen entsprechenden Verein gebe. Auch sein Vater und sein älterer Bruder seien aktive Ringer gewesen. So sei er bereits als kleines Kind mit in der Halle gewesen. Durch seinen Bruder und dessen Freunde habe er früh ältere Trainingspartner gehabt. Als er diese schließlich besiegt habe, sei er zunächst überzeugt gewesen, nun jeden schlagen zu können. Die folgenden Niederlagen hätten ihm allerdings gezeigt, dass er noch mehr trainieren müsse, um ganz nach vorne zu kommen.

Schritt für Schritt habe er sich nach oben gearbeitet. „Gewinnen macht Spaß. Ich habe schon bei `Mensch ärgere dich nicht` nicht gerne verloren“, erzählte Leipold mit einem Schmunzeln. Bereits im Alter von sechs Jahren habe er gegen Gegner gekämpft, die teilweise vier Jahre älter gewesen seien.

Auch die Vorbereitung auf große Wettkämpfe verlangte ihm einiges ab. Vor Weltmeisterschaften habe er beispielsweise noch drei Wochen zusätzlich auf dem Fahrrad trainiert, um seine Ausdauer zu verbessern. „Meine Erfolge zeigten: Disziplin fruchtet“, fasste er zusammen.

Bereits im Juniorenbereich wurde Leipold Welt- und Europameister. Der große Traum von einer olympischen Medaille wollte sich zunächst jedoch nicht erfüllen. Erst bei seinen dritten Olympischen Spielen in Sydney erreichte er das Finale. Die Worte seines Trainers sind ihm bis heute in Erinnerung geblieben: „Vor Millionen von Menschen ist Verlieren keine Option.“ Leipold behielt die Nerven und gewann den Finalkampf gegen den Amerikaner Brandon Slay. Es war einer der emotionalen Höhepunkte seiner Karriere.

Der geplante Abschluss mit einer vierten Olympia-Teilnahme blieb ihm allerdings verwehrt. Stattdessen folgte der wohl schwerste Kampf seines Lebens. Nach drei Schlaganfällen musste er sich zurück ins Leben kämpfen. In der Rehabilitation gab er erneut alles. Besonders bewegend sei für ihn der Moment gewesen, als er nach seiner Erkrankung wieder einen Bundesligakampf bestreiten konnte. Dabei seien auch Tränen geflossen.

Aus dieser Erfahrung hat Leipold eine weitere wichtige Erkenntnis gewonnen: Man brauche in jeder Lebensphase Ziele, für die es sich zu kämpfen lohne. Als Träger des Bundesverdienstkreuzes und Botschafter der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe setzt er sich heute auch dafür ein, anderen Menschen Mut zu machen.

Seine Botschaft an die Studenten der Von-Kunhardt-Akademie brachte er zum Abschluss auf den Punkt: „Lasst eure Träume Wirklichkeit werden. Versucht immer besser zu sein als das eigene ich am Tag davor“.rk

Teile diesen Beitrag

Kommentar schreiben