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Rockets setzen Nachwuchstrainer und engagierte Eltern vor die Tür

Die 1. Mannschaft der Eissport Gemeinschaft Diez-Limburg (EGDL) steht in den Play-Offs. Ab dem kommenden Wochenende spielt man um den Titel in der Regionalliga West mit. Die Stimmung am Heckenweg scheint also gut zu sein – zumindest auf den ersten Blick. Denn der Schein trügt etwas: Während das Erreichen der Meisterrunde nach Außen Euphorie versprüht, stehen die Weichen intern eher auf Abstiegsrunde. Hinter den Kulissen rumort es bei der EGDL gewaltig. Der Eishockeystandort Diez-Limburg macht (wieder einmal) eher durch negative Schlagzeilen statt durch sportliche Erfolge auf sich aufmerksam.
In dieser Woche wurden fast der komplette Trainerstab der Nachwuchsabteilung sowie einige Eltern quasi vor die Tür gesetzt. Dem Ganzen setzte man dann auch noch die Krone auf, indem man den Betroffenen durch die Eissporthalle Diez ein Hallen- und Grundstücksverbot aussprechen ließ. Somit haben zahlreiche Väter jetzt nicht mal mehr die Möglichkeit, ihren Kindern beim Training zuzuschauen oder sie bei den Spielen anzufeuern. Wenn sie ihren Filius nun zum Training bringen, müssen sie ihn mit der schweren Eishockeytasche bereits auf dem benachbarten Hallenbad-Parkplatz aus dem Auto lassen, da das ausgesprochene Verbot für das gesamte Gelände der Eissporthalle gilt. Fraglich ist zudem, ob die Nachwuchs-Rockets nun überhaupt noch am Wettkampfgeschehen teilnehmen können. Denn, sollten die Kinder der betroffenen Familien ab sofort ihr geliebtes Hobby nicht mehr ausführen, wird es der EGDL – zumindest in der Altersklasse Knaben – nicht möglich sein, ein spielfähiges Team aufs Eis schicken zu können. Schon in den vergangenen Begegnungen schaffte man es gerade so, die vorgeschriebene Anzahl an Spielern auf den Spielberichtsbogen zu bekommen. Von dem nun ausgesprochene Hallen- und Grundstücksverbot sind mehrere Kinder betroffen. Da dürfte es möglicherweise schwer werden, eine spielfähige Mannschaft zu finden. Dem Eishockey-Nachwuchs in Diez droht damit das Aus – zumindest für die Spiele. Und dies hätte auch fatale Folgen für die 1. Mannschaft der Rockets. Denn laut Durchführungsbestimmungen des Eishockeyverbandes NRW braucht es mindestens zwei Nachwuchsmannschaften im offiziellen Spielbetrieb, um in der Regionalliga West starten zu dürfen.
Doch was ist eigentlich passiert? In den vergangenen Wochen hatten das Trainerteam um Botho-Kay Kessels und Manuel Rodrigez sowie ein Großteil der Elternschaft den Entschluss gefasst, sich quasi selbstständig zu machen. Dabei wollte man zwar weiterhin für die Farben der EGDL auflaufen, die Nachwuchsabteilung aber unabhängig vom Hauptverein führen, völlig autark, mit eigenem Vorstand, eigener Kasse und eigener Organisation. Hintergrund für dieses Vorhaben war das fehlende Vertrauen in den aktuellen EGDL-Vorstand. „Unsere Sichtweisen und Prioritäten liegen einfach zu weit auseinander“, betont Botho-Kay Kessels, der sich bisher um die gesamte Trainingsorganisation bei der EGDL kümmerte, und fügt hinzu: „Uns geht es einzig und alleine um die Förderung und Entwicklung der Kinder.“ Der Vorstand setze seine Prioritäten aber in erster Linie bei der 1. Mannschaft und habe scheinbar nicht allzu viel Interesse an der Nachwuchsförderung, unterstreicht Kessels und verweist auf die jüngste Vergangenheit. Mit Holger Pöritzsch hatte man am Heckenweg zu Saisonbeginn einen Trainer und sportlichen Leiter, der langfristig und nachhaltig gedacht hat und vor allem auf den Nachwuchs setzte. Kaum war Pöritzsch weg, war auch das von ihm erarbeitete Nachwuchskonzept nicht mehr wirklich gewollt. Die von ihm initiierte Kooperation mit den Löwen wurde von Frankfurter Seite aus schon bald gekündigt, da die Förderlizenzspieler unter dem neuen Trainer keine sportlichen Perspektiven mehr hatten. Und auch die sogenannten Perspektivspieler – junge, talentierte Spieler, die Pöritzsch nach Diez geholt hatte und langsam für die 1. Mannschaft aufbauen wollte – haben den Verein längst wieder verlassen, nach dem sie dort mehr oder wenig rausgemoppt wurden. „Mit der Nachwuchsabteilung haben wir versucht, Holgers Weg weiter zu gehen. Leider stießen wir da nicht unbedingt auf offene Ohren. Deshalb wollten wir uns nun selbst organisieren“, erklärt Manuel Rodrigez und unterstreicht, dass man sich keinesfalls im Bösen trennen wollte. „Unser Ziel war es, auch weiterhin als EGDL-Nachwuchs zu spielen, mit dem Unterschied, dass wir selbst über die Förderung unserer Kinder, zusätzliche Eiszeiten, mögliche Spendengelder und so weiter verfügen“, sagt der Familienvater, der selbst zwei Jungs im Rockets-Trikot hat. Vergangene Woche noch saßen er und Botho-Kay Kessels mit dem EGDL-Vorstand an einem Tisch, um über Möglichkeiten einer besseren Nachwuchsförderung zu sprechen. „Leider verlief die Diskussion erfolglos“, betont Kessels. Also fasst man den endgültigen Entschluss, sich selbstständig zu machen, informierte zunächst die Eltern und plante erste mögliche Schritte für eine eigene Nachwuchsabteilung. „Letztendlich wäre das für den Vorstand des Hauptvereins ja auch eine Entlastung, wenn man sich künftig nur noch ausschließlich um die 1. und 2. Mannschaft kümmern muss“, sehen Kessels und Rodrigez einen Synergieeffekt in der strikten Trennung von Nachwuchs und Senioren.
Allerdings wird dieser Effekt vorerst wohl ausbleiben: Als Botho-Kay Kessels, Manuel Rodrigez und Co. am gestrigen Dienstag zum Training mit dem Nachwuchs aufs Eis wollten, wurde ihnen der Zutritt zur Halle verwährt und von der Hallenleitung ein Schreiben übergeben, in dem ihnen mit einer Strafanzeige gedroht wird, wenn sie noch mal die Halle oder deren Grundstück betreten sollten. „Wir waren wie vor den Kopf gestoßen“, sagt Kessels. Und Rodrigez betont: „Meine Kinder konnten gar nicht verstehen, warum Papa nicht mit zum Training in die Halle darf.“ Während die ausgesperrten Trainer und Eltern die Situation auf dem Hallenbad-Parkplatz diskutierten und vergeblich nach Gründen für diese Maßnahme suchten, leitete der Trainer der 1. Mannschaft, Anton Weisgerber, plötzlich das Nachwuchstraining auf dem Eis. „Das zeigt uns, dass man das wohl von langer Hand her geplant haben muss“, schüttelte Manuel Rodrigez ungläubig den Kopf. Wie alle anderen Betroffenen, wollte er nie jemandem schaden, ganz im Gegenteil: Er hat sich seit rund eineinhalb Jahren für die EGDL engagiert, packte immer mit an, wenn Hilfe gebraucht wurde, leitete unter anderem das Sommertraining der Kinder und unterstützte die Einheiten auf dem Eis. Das alles ehrenamtlich – ohne einen Cent dafür zu bekommen. Kurioserweise hatte er ausgerechnet am Dienstag – dem Tag, an dem das Hallen- und Grundstücksverbot ausgesprochen wurde – 10 Euro auf dem Konto. Überwiesen von der EGDL – als sogenannte Betreuerpauschale. „Keine Ahnung, was das sollte“, sagt Rodrigez und hat das Geld – trotz seines Rauswurfes – mittlerweile an den Nachwuchsförderverein der Rockets weiter überwiesen. Schließlich wollte er der EGDL nie etwas Böses: „Bei dem Plan eines eigenständigen Nachwuchsvereins ging es uns einzig und alleine um unsere Kinder und deren optimaler Förderung. Und nicht darum, der EGDL zu schaden. Ich habe mich stets für die Rockets und den Verein engagiert, sogar meine Mitarbeit im Vorstand angeboten. Diese Aktion jetzt, ist wie ein Schlag ins Gesicht“, zeigt sich der eishockeybegeisterte Familienvater enttäuscht und geschockt zugleich. Wie auch alle anderen betroffenen Eltern überlegt Rodrigez nun natürlich wie es weitergehen kann und soll: „Meine Jungs lieben Eishockey, und ich unterstütze sie dabei gerne. Da dies jetzt in Diez nicht mehr möglich ist, müssen wir uns um Alternativen kümmern“, sagt Manuel Rodrigez und will sich nun schlau machen, ob seine Jungs eventuell an einem Probetraining in Neuwied teilnehmen können…

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Eine Antwort to "Rockets setzen Nachwuchstrainer und engagierte Eltern vor die Tür"

  1. Marcel sagt:

    Ein Aritkel, der so einseitig geschrieben ist und auf so vielen Halbwahrheiten beruht, hat auf einer Seite wie dieser eigentlich nichts verloren. Traurig, das so etwas heute als Journalismus durchgeht!

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