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FAIRPLAY-Liga? Was bedeutet das?

Die Teilnehmer beim FAIRPLAY Lehrgang in Eschhofen Foto: van der Burg

Die Teilnehmer beim FAIRPLAY Lehrgang in Eschhofen Foto: van der Burg

Eine weitere Dezentrale Kurzschulung mit dem Thema „ FAIRPLAY-Liga“  für G und F A Junioren fand am Sonntag, 06.03.2014 auf der Rasensportanlage in Eschhofen statt.

Der Koordinator für Qualifizierung, Marcus Kasteleiner konnte wiederum 35 Teilnehmer begrüßen. Als HFV – Dozent konnte mit Michael Hess wieder ein alter bekannter im Fußballkreis Limburg-Weilburg gewonnen werden. Der 50 Jährige Taunussteiner ist ein Fachmann für Dezentrale Kurzschulungen in den Fußball – Kreisen des HFV.

Den Erfolgen der deutsche Nationalmannschaft und vieler Profivereine ist es zu verdanken, dass der Fußball große Popularität genießt und immer jüngere Kinder vom Fußballfieber angesteckt werden. Oft sind dabei die Erwartungen an den Kinderfußball sehr hoch und nicht selten suchen Eltern im Fußball den großen Erfolg für ihre Kinder und sich selbst. Dabei geht es im Kinderfußball doch einzig und allein darum, fußballbegeisterten Mädchen und Jungen Spaß am Sport und an der Bewegung zu vermitteln. Bestrebungen nach unbedingtem Sieg und die damit verbundenen Probleme sind deshalb völlig fehl am Platz.

Aus diesem Grund möchte der Verbandsjugendausschuss des Hessischen Fußball-Verbandes ab der Saison 2014/15 das kindgerechte Spielsystem FAIRPLAY-Liga für die G- und F-Junioren einführen. Ziel ist es, die Rahmenbedingungen im Kinderfußball zu beruhigen und alle Beteiligten, also Vereine, Trainer und Eltern für die eigentliche Aufgabe des Kinderfußballs zu sensibilisieren. Die FAIRPLAY-Liga ist eine aktive Veränderung der bisherigen Spielgrundlagen, die sich im Regelspielbetrieb des Kinderfußballs bewährt hat. Sie bietet jedem Beteiligten die Chance, es nächste Woche besser zu machen.

Zudem belegen wissenschaftliche Studien, dass sich der verantwortungsvolle und kindgerechte Umgang, der im Rahmen von FAIRPLAY-Ligen praktiziert wird, positiv auf die Entwicklung der Kinder auswirkt.

„Anfeuern ja, Steuern nein“, heißt das Motto

Erfinder der „Fair-Play-Liga“, die es seit 2007 gibt, ist Ralf Klohr. Schlüsselerlebnis war für ihn zwei Jahre davor ein Spiel zweier F-Jugend-Mannschaften, das abgebrochen werden musste, weil es zu einer Schlägerei unter Eltern gekommen war.

Gerade in diesem Alter so Michael Hess, bietet der Sport großartige Möglichkeiten für die Entwicklung eines Kindes. Es kann Selbständigkeit lernen und lernen, sich durchzusetzen und Regeln zu beachten. Der Kinderfußball befindet sich im Umbruch. Nachdem jahrelang ein starres Staffelsystem nach den normalen Regeln gespielt wurde, hat man inzwischen überall erkannt, dass sich hier etwas ändern muss. Durch die Trainer und die Eltern wird zu sehr auf die Leistung geschaut. Die Kinder sind teilweise völlig überfordert, da von ihnen öfters ein Fußballkönnen verlangt wird, das manche Erwachsene selber nicht haben.

Auch ist die Einflussnahme der Anwesenden auf dem Sportplatz viel zu hoch. Kinder können nicht Fußball spielen, sie sollen es lernen. Aber Fußball soll Spaß machen, kein Stress sein. Das Kicken im Verein soll begeistern. Auch sollte man verlieren dürfen, ohne dass einem von allen Seiten der Kopf gewaschen wird. Kinder kann man nur über Jahrzehnte an den Fußballsport binden wenn sie Training und Spiel nicht als Belastung, sondern als Bereicherung empfinden. Auch die zunehmenden Vorfälle am Spielfeldrand zeigen den dringenden Handlungsbedarf.

Drei wichtige Fragen

Können Kinder überhaupt selbst entscheiden?

Ja!

Kinder können sehr gut Regeln lernen, beherzigen und einhalten, wenn diese eingefordert werden. Wenn sie das Vertrauen spüren, werden sie sehr schnell eigenständig und haben

dann die Möglichkeit, ihre Persönlichkeit zu stärken und weiter ins Spiel einzubringen. Bei Kindern, die sich noch nicht trauen Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen, helfen die Mitspieler oder Trainer. Beides fördert das soziale

Können Kinder ohne Anweisungen Miteinander auskommen?

Ja!

Kinder lieben Fußball und verstehen genau den Sinn. Vorne muss der Ball rein und hinten muss verhindert werden, dass der Ball ins eigene Tor geht. Je nach Alter und Entwicklungsstand der Kinder sieht das für Erwachsene schon mal 

ungewohnt aus. Die Kinder jedoch suchen sich, je nach ihren Fähigkeiten, ihren eigenen Weg und lernen erstaunlich schnell.

Müssen Eltern so weit weg vom Spielfeld?

Ja!

Liebe braucht Abstand, Vertrauen und Zutrauen. Eltern wollen nur das Beste für ihr 

Kind. Im Spiel fiebern sie mit ihren Kindern und wollen helfen. Der Abstand hilft

ihnen, ihr Kind loszulassen und den Kinderfußball als das zu sehen, was er ist: ein Spiel.

Erst dann werden die erwachsenen Begleiter erkennen, dass der Druck und die Erwartung von außen kommen nicht von den kleinen Nachwuchsstars in ihren teilweise übergroßen Trikots. Zum Abschluss der Veranstaltung wurde dann auch noch gekickt. Die F 2 Mannschaften vom VfL Eschhofen und der JSG Brechen standen sich nach den neuen Spielregeln gegenüber. Der C – Lizenzinhaber und DFB Jugendmanager Michael Hess gab den Betreuern noch folgendes mit in die Vereine:  „Lasst den Kindern diese neugewonnen Freiraum und lebt dies mit ihnen, beobachtet sie und merkt, dass nach fünf Minuten auf der Rückfahrt nach Spielende andere Themen eine Rolle in den jungen Köpfen spielen, als verlorene drei Punkte oder ein überwältigender Sieg. Denn wenn der Druck und die Ansprache von draußen weggelassen wird, dann sprechen die Kinder eine andere Sprache und führen Gedanken, auf die ein Erwachsener nach der Partie nicht kommt. Ein Fehlpass, verlorene Zweikämpfe oder fehlende Taktik gehören nicht zu den Hauptthemen der Kids. Hört genau hin und ihr erkennt, wie unwichtig so manches Ergebnis schlussendlich ist“.

Alles in allem investierten die 35 Teilnehmer diese 4 Stunden, um in ihrem Verein den Kindern zukünftig ein noch besseres Fußballspielen anbieten zu können. Marcus Kasteleiner bedankt sich bei Michael Hess sowie beim VfL Eschhofen der als Ausrichter keine Wünsche offen ließ.

                                                                                                                      kvb

 

 

 

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